Mittwoch, 7. August 2013

Wochenendtrip nach Cape Cod und Nantucket - Teil 2

Samstagmorgen klingelt der Wecker viel zu zeitig. Halb sieben ab unter die Dusche, Rucksack packen mit Sonnencreme, Wasserflasche, Badesachen, Buch und Fließ- und Regenjacke - man weiß ja nie. Frühstück gab es in der Jugendherberge erst ab acht, deswegen musste ein Cookie und ein Kaffee am Fähranleger her. Vom Hostel waren es zehn Minuten zu Fuß, den Weg kannte ich ja vom Vortag schon. Tatsächlich hatte der Wetterbericht Recht und es schien die Morgensonne an einem strahlend blauen Himmel. Es war gar ein Hauch Hitze zu spüren. Die große Autofähre legte mit etwas Verspätung 7:25 Uhr ab. Es gibt noch eine andere Fährgesellschaft, die aber deutlich teurer ist und zumindest für mein Vorhaben ungünstigere Abfahrtzeiten hatte. Beide Unternehmen haben langsamere Autofähren (2:15h) und schnelle, reine Personenfähren (1h), wobei man bei letzteren locker das Doppelte zahlt. Meines Erachtens war es das nicht wert, dafür lieber früher aufstehen und die Überfahrt genießen. Die winddichte Fließjacke, auf dem offenen Meer ein absolutes Muss.

Auf Nantucket angekommen, wird man von ein paar Frühstücksrestaurants und Fahrradverleihen empfangen. Ich hab mir gleich ein Rad ausgeliehen, auch wenn ich erstmal ins Museum wollte. Was man hat, hat man ;-). Für 20 Euro ist man so einen Tag mobil auf der Insel. Wenn man sich das Walfangmuseum schenkt, dann kommt man in der Zeit auch einmal gut um die ganze Insel, schätze ich. Ich wollte mir aber ja das Walfangmuseum angucken... es ist nicht wirklich groß und dafür sind die 15 € Eintritt vielleicht etwas happig. Aber es ist liebevoll gemacht, erzählt die Geschichte von Nantucket von den indianischen Anfängen über die Blütezeit während des Walfangs, den Niedergang nach den ersten Ölfunden und dem Revival als Urlaubsparadies. Darüber hinaus gibt es drei verschiedene (Video)vorträge, der über die Entwicklung Nantucketswar sogar ganz interessant. Weiterhin sieht man ein großes Walskelett, Harpunen, Lanzen, viele Bilder von Walfangschiffen usw.
Der Walfang wird etwas einseitig abgehandelt, nur im Bezug auf die Bedeutung für die Nantucker Wirtschaft und Wohlstand. Naturschutz/Artenschutzaspekte fließen nicht ein - vielleicht typisch amerikanisch. Schwierig, ob man das Museum jetzt rundherum empfehlen soll. Bei schlechtem Wetter sicherlich, bei schönem Wetter ist eine ausgedehnte Radtour und Strand sicher eine gute Alternative. Andererseits wird das Museum überall beworben und deswegen tendiert man (wie ich) ohnehin dazu, es sich dann doch anzugucken. In 2,5 h ist man aber gut durch und hat dann immer noch viel Zeit.

Nach einem Eis zum Mittag, mittlerweile war es wirklich heiß, trat ich dann meine Tour zur Ostküste an. Von Siasconset dann weiter nördlich zum Sankaty Head Leuchtturm und nach Quidnet. Alle sonstigen "Orte" auf der Insel sind mehr oder weniger große Ansammlungen von Ferienhäusern... ein wirkliches Zentrum mit Einkaufsmöglichkeiten etc gibt es nur in Nantucket selbst. Für amerikanische Verhältnisse gibt es ausgesprochen viele Radwege, eigentlich überall. Trotzdem könnte es nach meinem Geschmack noch weniger Autoverkehr sein, aber die Amerikaner wollen schließlich überall klimatisiert (auto)mobil sein. Auch den Flughafen, der doch rege An- und Abflüge verzeichnete, bräuchte es nicht unbedingt. Aber vermutlich werden so die vielen zahlungskräftigen Golfspieler eingeflogen. Cape Cod, Nantucket und die Nachbarinsel Martha´s Vineyard sind wahre Paradiese für Golfer. In Quidnet gönnte ich mir dann ein, zwei Stunden Strand. Es ging sehr schnell sehr tief ins Wasser und die Brandung war sehr stark. Man merkte, wie das zurückfließende Wasser einen extrem ins offene Meer zog. Sicher nicht der Familienstrand, und er war im Gegensatz zu vielen anderen Stränden auf Nantucket auch nicht bewacht. Generell stand überall, man solle nicht weiter rausschwimmen, als man stehen könnte. In der Gegend werden immer wieder Weiße Haie gesichtet, und so ist etwas Vorsicht angebracht.

Nach einem ausgiebigen Sonnen- und Wellenbad machte ich mich dann wieder auf den Rückweg. Auf einem anderen Weg, also eine große Runde gegen den Uhrzeigersinn beschreibend, ging wieder zurück. Ein bisschen bin ich dann noch durch Nantucket gestromert, hab Postkarten gekauft, ein T-Shirt als Andenken gekauft, das Rad zurückgegeben und mir ein Restaurant für die zweite Runde Meeresfrüchte und Fisch gesucht. Diesmal gebraten, Jakobsmuscheln, Shrimps, Fisch - fantastisch. Gegen sieben war ich dann wieder am Fähranleger, obwohl die letzte Fähre eigentlich erst um 9 fahren sollte und ich mich schon auf lesen am Pier eingestellt hatte. Völlig überraschend gab es aber 19:10 Uhr noch ein Boot, eigentlich eine wirklich reine Autofähre mit Platz für nicht mehr als die Insassen. Aber ich hab einfach den Einweiser gefragt und durfte mit =). Perfekt!
Und so konnte ich den Sonnenuntergang bei der Ausfahrt aus dem Hafen genießen. Wie die Sonne sich erst gleißend weiß dem Horizont näherte um dann groß wie ein 5-Mark-Stück glutrot im Meer zu versinken. Langsam fingen die Leuchttürme rundherum an, ihre Lichtkegel auszusenden und es machte wie immer Spaß, das ganz spezifische Muster jedes einzelnen herauszubekommen. Das hab ich schon sehr lang nicht mehr machen können.... Schon im Dunkeln näherten wir uns dann wieder dem Festland... und konnten aus der Ferne ein Feuerwerk bestaunen, dass von Ort wechselte. Viele der kleinen Ortschaften auf dem Kap waren nacheinander an der Reihe, bevor es dann in einem Ort zum Finale kam. Sehr schön.

In der Jugendherberge musste ich dann noch fix die allerletzten Kapitel im Halbblutpinz zuende lesen und den Sand aus den Haaren duschen. Totmüde bin ich dann ins Bett gefallen, so wie jetzt auch gleich ;) Deswegen gibt es den dritten Teil ein anderes mal.

mein Schiff, die "Nantucket"
 
 

im Walfangmuseum

Licht/Spiegelapperat eines Leuchtturms

typisches Ferienhaus. Der Baustil mit den graubraunen Holzschindeln ist inselweit verbindlich.

Sankaty Head Lighthouse
 


Brant Point Lighthouse in der Hafenausfahrt

 



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