Sonntag, 6. Oktober 2013

New York - Teil 2

Nach dem ereignisreichen ersten Tag in NYC konnten wir am nächsten Morgen auch nicht so ewig schlafen, denn wir wollten ja noch mehr sehen und erleben.

Cornflakes, O-Saft und Kaffee gaben ein gutes Frühstück in der Küchenecke der Hotel-Lounge ab. Danach sind wir zum American Natural History Museum aufgebrochen, das ungefährt in der Mitte am westlichen Rand des Central Parks liegt. Für knapp 21 € bekamen wir zum Eintritt eine Vorstellung im Planetarium dazu. Leider war der restliche Teil der Abteilung für Weltraum und Co geschlossen, aber auch so gab es noch genug zu sehen. Sonderausstellungen kosten extra. Das ist aber nicht gleich nötig, sondern man kann sich das immer noch überlegen und dann direkt am Eingang zu den jeweiligen Sonderausstellungen zahlen.
Wir haben folgende "Runde" gemacht: zuerst ein bisschen über Erdgeschichte, dann Mineralien und Kristalle (Strukturbiologie lässt grüßen!), die großen Sammlungen an Säugetieren aus Afrika und Asien, weiterhin Meerestiere und der Arktisbewohner, ein bisschen Anthropologie, danach Dinosaurier und ausgestorbene Säugetiere aus der Eiszeit. Und damit haben wir vielleicht die Hälfte gesehen, wenn überhaupt.Das Museum ist also ein riesiges Naturkundemuseum - im Vergleich dazu ist dasjenige in Leipzig ein Witz. Viele Abteilungen haben wir uns gar nicht angeschaut... es gab noch Ausstellungen über Völkerkunde, Reptilien, Insekten... und und und. Da man keinesfalls alles an einem Tag schaffen kann, sollte man sich einfach vorher oder zu Beginn überlegen, auf was man Wert legt und was man sein lässt. Weniger ist oft mehr, und nach einer gewissen Zeit ist man sowieso nicht mehr aufnahmefähig. Man kann aber auch ausgeschilderte Rundtouren machen bzw. Rundgänge zu bestimmten Themenkomplexen und Highlights.





Besonders beeindruckend fanden wir die Säugetiersammlungen. Natürlich sind lebende Tiere toller, aber in diesem Museum haben sich die Restauratoren und Präparatoren echt Mühe gegeben! Die Tiere waren meist in sehr natürlichen, z.T. dynamischen Positionen (höhö) festgehalten, die Umgebung liebevoll und detailgetreu gestaltet. Die Scheiben waren blitzblank geputzt und dadurch, dass die Vitrinen beleuchtet und die Gänge im Dunkeln lagen, hatte man einen ungetrübten, nahezu spiegel-effektfreien Blick. Die Hintergründe der Schaufenster waren bemalt, wodurch sich ein dreidimensionaler Effekt ergab... das ließ die Tiere sehr lebendig wirken und man hatte trotzdem diese Tiefe im Raum, wie man sie sonst nur in der Natur hat.













Ebenfalls faszinierend waren die vielen Dinosaurier-Skelette. Das American Natural History Museum hat eine der größten Sammlungen weltweit. Trotzdem sind einige Exponate aus Knochen von bis zu zehn verschiedenen Exemplaren zusammengesetzt, um wenigstens ein halbwegs vollständiges Skelett zeigen zu können. Letztendlich sind 65 Mio Jahre schon eine lange Zeit, selbst für Knochen.
Alles in allem hat uns das American Natural History Museum sehr gut gefallen. Vergleichbar ist es mit dem Natural History Museum in London, in dem ich auch schon war und in das man sogar kostenlos reinkommt. Angenehm ist auch die vergleichsweise Ruhe und die Naturgeschichtsthematik eigenet sich hervorragend zum Entschleunigen und Luft holen vom rasanten New Yorker Alltag.









  









Als das Museum dann gegen 17:45 Uhr schloss, sind wir zum Times Square: mitten hinein in den pulsierenden Strudel New Yorks. Für 20 Uhr hatten wir Musicalkarten und noch einmal zum Hotel zu fahren, lohnte nicht. Der Times Square ist wirklich sehenswert. Die Menschenmassen, zu 99% Touristen und Deutsche überall, die gelben Taxen, und wirklich überall diese riesigen Leuchtreklamen, die selbst nachts den Platz taghell erleuchten. Ein wirklicher "Platz" ist es nicht einmal, vielmehr zwei größere Kreuzungen, die in der Diagonale vom Broadway geschnitten werden. Dadurch ergeben sich zwei spitze "Plätzchen", aber nicht wirklich Raum. Deswegen sind die Straßen dort auch chronisch verstopft, denn die Fußgänger nehmen aufgrund ihrer Masse kaum Rücksicht - sinnlose Ampelschaltungen tragen auch nicht gerade zum Verkehrsfluss bei. Ich weiß nicht, warum man den Time Square nicht gänzlich für den Verkehr schließt... wäre für alle sicher angenehmer. Auf der Nordseite gibt es eine breite, rote Treppe, auf der man ein paar Minuten die Füße ausruhen und die gesamte Szenerie überblicken kann.
20 Uhr begann dann das Musical, "Newsies"... fast alle Musical sind eigentlich gar nicht am Broadway direkt, sondern in einer die vielen kleineren Seitenstraßen am Times Square. Das Musical war gut und sehenswert. Es ging um Zeitungsjungen in Manhatten, die 1899 in den Streik getreten sind, als der Zeitungsverleger Pulitzer den Verkaufspreis erhöhen wollte. Aufstand gegen das Establishment, Zusammenhalt in schweren Zeiten, Konfrontation mit der rivalisierenden Gruppe aus Brooklyn, eine Liebelei zwischen dem Anführer der Gruppe und der sich ebenfalls gegen ihren Vater auflehnenden Verlegertochter... mehr braucht es nicht für eine Musical-Story =). Aber schließlich stehen auch Musik, Tanz und Choreographien im Vordergrund. Gefallen hat es uns jedenfalls sehr und ein Musicalbesuch gehört schließlich auch irgendwie zu New York dazu. Unterhalb der roten Treppe am Times Square gibt es außerdem einen Ticketverkauf für Musical-Karten, wo man zu günstigen Preisen noch Restkarten für den jeweiligen Abend bekommen kann und auch das ein oder andere Schnäppchen für ein paar Tage später machen kann.
Anschließend ließen wir noch einmal das Flair des Time Square bei Nacht auf uns wirken, sogen die Farben und Lichter ein und machten uns letztendlich wieder auf dem Weg zur U-Bahn Richtung Hotel... am Times Square haben selbst die Einhänge zu den U-Bahn-Stationen leuchtende und blinkende Schriftzüge.

 












Bis bald =).

Mittwoch, 2. Oktober 2013

New York





Donnerstagmorgen. Es ist dunkel. Mitten in der Nacht. Der Wecker klingelt, zeigt fünf vor fünf - Zeit zum Aufstehen. Bad, anziehen, Rucksack zu, loslaufen. Zehn vor halb sechs die Straßenbahn nehmen, die uns zum Busbahnhof bringt. Pünktlich um sechs sind wir da - ein Stunde vor Abfahrt. Auf dem Ticket standen zwar irgendwo Nummern (1 und 2), aber deren Sinn war nicht ganz ersichtlich. Und im Kleingedruckten stand, dass Sitzplätze auf der "Wer zuerst kommt, mahlt zuerst" - Basis vergeben werden. Fand ich bei Greyhound/Peter Pan-Bus zwar komisch, aber gut, wer weiß und wir wollten nix riskieren. Wir hatten also Zeit zum Frühstücken der geschmierten Toasts und siehe da, am Ende durften wir als erstes den Bus besteigen. Wie es aussieht, werden zumindest bei Greyhound/Peter Pan wirklich nur soviele Fahrscheine verkauft, wie es Sitzplätze im Bus gibt.
Der Bus war etwas heruntergekommen, die Ledersitze abgewetzt und vielerorts lugte der Schaumstoff durch Risse im Bezug. Naja. Abfahrt war kurz nach sieben Uhr, natürlich nicht pünktlich. Wie auch, wenn der Bus selbst zu spät kommt. Viereinhalb Stunden später waren wir in New York.

Am Port Authority Bus Terminal in der Nähe vom Times Square war die Fahrt zu Ende. Dieser Busbahnhof übertraf den in Boston natürlich nochmal um einige Dimensionen. Und die Durchfahrten waren gefühlt noch etwas enger, niedriger und dunkler. Dafür fand man sich relativ gut zurecht und war auch fix bei den U-Bahnen. Ein 7-Tages-Ticket lohnte sich für die 4 Tage voll, das hatten wir im Vorfeld schon herausgefunden und mit 24 € war es auch nicht überteuert. Da New York, und wir waren nur in Manhatten!, riesig ist, legt man doch echt viele Strecken mit der U-Bahn zurück.
Unser Hotel lag in der Upper West Side (Broadway Hotel&Hostel), W 101st Street. Den südlichsten Zipfel vielleicht noch ausgenommen, ist Manhatten sehr strukturiert aufgebaut: klassisches Schachbrett-Muster, die Alten Römer hätten es nicht besser machen können. Alle Straßen westlich vom Central-Park haben deswegen das "W" im Namen und je höher die Zahl, desto weiter im Norden ist man. Unser Hostel war quasi westlich vom nördlichsten Viertel des Central-Parks, vom Times Square ca. 15 Minuten mit der U-Bahn entfernt. Da wir noch nicht ins Zimmer konnten, haben wir erstmal nur den Klamotten-Rucksack dagelassen und bezahlt... etwas entsetzt über die 70$ Tax und Fees zusätzlich zu den 400, die auf der Rechnung standen und als bei Ankunft zu zahlender Betrag ausgewiesen waren. Natürlich stand irgendwo im Kleingedruckten, dass Steuern extra kommen. Und die sind in New York wohl die höchsten in den USA, wie der Rezeptionist meinte. Aber dann kommt auch noch occupancy fee von 3,50$ pro Nacht dazu, eine "Belegungsgebühr" also. Ah ja, natürlich belege ich als Gast dieses Zimmer, wenn ich es miete. Versteckte Kosten wo es nur geht hier in Amerika! Außerdem warteten wir in der Lobby noch eine Unwetter-Front ab, die auch zeitlich sehr präzise angesagt worden war. Eine weitere sollte später am Abend noch folgen.
In einem nahen Supermarkt haben wir außerdem noch Cornflakes, Milch und Einweg-Geschirr/Besteck gekauft um Frühstück für die nächsten Morgen zu haben. Das Hotel verfügte über eine Küchenzeile mit Mikrowelle, Wasserkocher, Toaster und einem großen Kühlschrank, in dem wir mit etwas Tetris-Übung auch das eigene Zeug noch unterbringen konnten. Frühstück an sich gibt es in dem Hotel nicht, aber man kann bei Bedarf Muffins, Cookies und kleine Snacks sowie Kaffe etc. kaufen.

Wall Street
Brookline Bridge
 Als der Regen dann vorüber war, ging es wieder mit der U-Bahn nach Downtown Manhatten. Mira hatte keinen Plan von dem, was kam. Mit Linie 2 oder 3 fuhren wir bis zur Wall Street, wo wir uns natürlich noch die New Yorker Börse angeschaut haben. Nur von außen, denn sie ist streng bewacht. Danach ging es zielstrebig ans Ufer des East Rivers, von wo aus man einen schönen Blick auf Brookline und die Brookline Bridge hatte. Außerdem sah man vom nahen Heliport ständig Hubschrauber zu Rundflügen abheben und wieder landen. Mira noch so zu mir, wie es wohl wäre, damit zu fliegen, weil sie einer ausgewanderten Arbeitskollegin das zur Hochzeit geschenkt hatten. Da hat Mira nicht schlecht geguckt, als sie kurz darauf sagen musste, ob sie auch mal Hubschrauber fliegen möchte =). Danke an meine Eltern und Großeltern für dieses tolle Geburtstags-geschenk!!!

Das Ganze lief sehr routiniert ab. Man muss einen Lehrfilm gucken, wie man sich auf dem Weg zum, am und im Hubschrauber und im Notfall (ja, Absturz) zu verhalten hat. Man bekommt eine Schwimmweste umgeschnallt und dann ging es auch schon los. Von den guides wird man zum wartenden Hubschrauber geleitet, aus Zeit- und Sicherheitsgründen ist dabei keine Zeit zum Fotografieren, wenn dann nur im Laufen. Auch muss man immer innerhalb der Markierungen bleiben. Einer der guides macht dann ein Foto vor der Hubschrauber, das man im Anschluss käuflich erwerben kann. Dann wird man platziert, sodass der Hubschrauber ausbalanciert ist, angeschnallt, bekommt Kopfhörer auf und dann geht es auch schon los. Wir waren mit noch einer dreiköpfigen Familie im Hubschrauber. Das war auf der Hinterbank (einer sitzt vorn neben dem Piloten) nicht besonders gemütlich, aber es ist ja nicht für die Ewigkeit.
Zuerst flogen wir auf die Brookline Bridge zu, dann in einem Bogen nach Süden zu Governors Island, Liberty Island (Freiheitsstatue) und Ellis Island (Einwanderungszentrum früher) ab, dann den Hudson River im Westen Manhattens hinauf bis zur George Washington Bridge an der Nord-West-Spitze. Manhatten selbst darf, wohl aufgrund der Terroranschläge vom 11. September, nicht überflogen werden - da sollte man sich keine Illusionen machen. Die Werbevideos werden anders gedreht =). Aber auch so haben wir, trotz Regendunst, eigentlich alles gesehen: das neue World Trade Center, das Empire State Building, das Crysler Building, das Yankee Stadium (Baseball), das Gebäude der Vereinten Nationen, den riesigen Central Park und vieles mehr. Es war schon absolut beeindruckend, diese Kulisse von oben zu sehen, wie vollgebaut die ganze Stadt ist, die unzähligen Wolkenkratzer -  auf Augenhöhe mit den höchsten. Die 15 Minuten Flug waren dann auch irgendwann leider wieder zu Ende, aber ich empfand es als gar nicht so kurz. Da man auf dem Rückweg wieder über dem Hudson River Richtung Süden fliegt, haben alle Insassen mal einen tollen Blick auf die Stadt, egal ob man jetzt links oder rechts sitzt.



neues World Trade Center und Downtown Manhattan

Anflug auf den Heliport
Yankee Stadium




neues World Trade Center
Danach sind wir zu Fuß Richtung Ground Zero, bis zum nächsten Programmpunkt war noch etwas Zeit. Da man zum Besichtigen der Gedenkstätte aber Tickets brauchte und die Schlangen nicht ganz kurz waren, verschoben wir das auf einen anderen Tag. Außerdem wurde die Zeit nun doch etwas knapp, in New York sind die Entfernungen doch immer etwas größer und auch wenn man nur ein paar Blocks laufen muss, verrinnen die Minuten schneller als gedacht. Ziel war der Pier 78 auf der Westseite von Manhatten, etwa auf Höhe des Times Square. Nach New York aus der Luft stand nun New York vom Wasser aus an: bei einer Bootsrundfahrt. Auch davon wusste Mira zuvor nix, aber sie hatte vermutlich eine Ahnung, als wir am Ende ziemlich zielstrebig Richtung Ufer gelaufen sind =).

Aus den Fahrplänen im Internet war allerdings nicht ersichtlich, dass es auch wochentags noch eine Fahrt um 19:30 gibt. Wir entschieden uns also für diese letzte Tour statt der geplanten 18-Uhr-Fahrt und gönnten uns noch etwas Pause und Pizza zum Abendbrot. Mittlerweile zog die zweite Gewitterfront drohend heran und entlud sich prompt als wir das Boot bestiegen. Schnell zogen wir die Regenjacken an und griffen zwei der Regencapes, die von der Besatzung verteilt wurden. Auf dem überdachten Oberdeck wurde man nur ein bisschen nass, der Wind ließ dem Regen keine Chance, senkrecht zu fallen. Mittlerweile war es auch stockdunkel, die Skyline toll erleuchtet und immer wieder erhellten Blitze den Himmel mit grellem Licht. Das Boot stampfte ganz schön durch die Wellen, aber auch wenn das Wetter etwas ungemütlich war, so war es doch auch irgendwie etwas Besonderes. Wir dachten gar nicht daran, ins stickige Unterdeck zu gehen. Das Boot fuhr zunächst den Hudson River hinunter zur Südspitze Manhattens und dann den East River im Osten hinauf bis ungefährt auf Höhe der UN. Diesen Part hatten wir mit dem Hubschrauber ja nicht überflogen und so war die Bootstour eine gute Ergänzung. Auf dem Rückweg hielt das Boot eine ganze Weile vor der – damals noch – erleuchteten Freiheitsstatue.
Mittlerweile ist dort das Licht aus und man kann sie auch nicht mehr besichtigen. Wie ihr sicher mitbekommen habt, hat die erzkonservativen Tea-Party-Bewegung das Land mit ihrer Blockadehaltung stillgelegt. Die Regierung hat keinen verabschiedeten Haushaltsplan und deswegen müssen 800.000 Staatsbedienstete in den Zwangsurlaub und staatliche Museeum, Denkmäler und Nationalparks wurden geschlossen. Betroffen ist unter anderen auf das National Institute of Health, die größte Forschungsinstitution weltweit. Labortiere werden zwar noch versorgt, aber auch viele Wissenschaftler haben Zwangsurlaub. Auch die Datenbank, in der alle wissenschaftlichen Publikationen weltweit zusammengefasst sind, wird wegen des „Government Shutdown“ nicht mehr aktualisiert. Und nur, weil diese Unverbesserlichen Obamas Gesundheitsreform verhindern wollen, die bereits vom Parlament verabschiedet und vom Obersten Gericht für verfassungskonform erklärt wurde.

Ah ja, zurück zum Thema. Nachdem alle ausreichend Fotos von der Freiheitsstatue gemacht hatten, ging es zurück zum Pier. Der Regen hatte mittlerweile nachgelassen, aber das Unwetter hatte Auswirkungen auf den U-Bahn-Betrieb. Wegen Stromstörungen fuhren drei Linien nicht mehr, aber unsere war zum Glück nicht betroffen. Ziemlich müde und erschöpft von dem langen Tag und den vielen Eindrücken vielen wir dann im Hotel ins Bett.


Empire State Builing (l) und World Trade Center (r)
Brookline Bridge mit Blitz und ohne




Den Hubschrauber-Rundflug haben wir mit Liberty Helicopters gemacht. Für diejenigen, die sich dieses etwas kostspiele Vergnügen auch überlegen, falls sie mal in New York sind: es gibt noch ein paar andere Anbieter von Rundflügen, preislich nehmen die sich alle nichts. Es gibt auch noch einen anderen Heliport am Westufer (Jersey City) des Hudson Rivers (Paulus Hook-Pier), aber der Downtown Heliport in Manhatten ist besser zu erreichen. Im Soar-and-Sail Package war die Bootstour (CitySightseeing Cruises) mit drin, das war ganz nett. Die Flug-Buchung über´s Internet und die Terminabsprache per Mail klappten hervorragend. Für die Bootsfahrt geht man einfach mit dem Gutschein an den Schalter und tauscht ihn gegen einen Fahrschein für eine beliebige Abfahrtszeit ein. Bei anhaltend schlechtem Wetter kann man telefonisch erfragen, ob und wann geflogen wird. Ansonsten hatte ich den Eindruck, dass man drankommt wie gerade Platz ist. Wir waren glaub ich 45min vor dem geplanten Abflug da und saßen prompt im Hubschrauber.
Im Endeffekt sicher teuer, aber empfehlenswert und man macht es ja auch nur einmal im Leben =).




Montag, 30. September 2013

Shopping

Lang ist´s her, seit ich mich das letzte Mal gemeldet hab, was unter anderem mit dem Besuch von Mira und unserem Ausflug nach New York zu tun hatte. Aber alles der Reihe nach.

Samstag, 7.9., wurde dazu genutzt, all die Sachen zu tun, die schon lange liegen geblieben waren. Also Wäsche waschen, Zimmer aufräumen, Staub saugen und wischen etc. Am zeitigen Abend dann noch ein paar Sachen im Labor erledigen und von dort aus gleich zum Flughafen, Mira abholen.
Der Flieger landete auch pünktlich kurz nach 21 Uhr, aber bis Mira dann endlich mal durch die Tür am Ausgang kam, vergingen nochmal 90 Minuten. Gefühlt war sie die letzte, die da mit Rucksack und großem Koffer durch die Security kam. Aber Hauptsache überhaupt, die Wiedersehensfreude war natürlich groß =). Okay, riesig.

Wie sich herausstelle, war der Koffer voll bis oben hin (und mit etwas über 23kg sogar knapp über der eigentlichen Freigepäckgrenze), aber nicht mir Miras Sachen, sondern mit Winterkleidung und Nahrungsmittellieferungen für Paulin und mich. Hatte ich ja vielleicht schonmal erwähnt, dass so Dinge wie Marzipanrohmasse, Mohn, Mandeln und Nüsse, ob ganz, gehackt, gehobelt oder gemahlen, hier einfach exorbitant teuer sind und es deswegen billiger war, sie einzufliegen. Und Milchreis. Milchreis gibt es hier nämlich nicht. Sauerei. So, jetzt hab ich jedenfalls welchen (ok, nur noch die Hälfte mittlerweile). Dafür kam meine Winterjacke ohne Innenfutter, denn auf die Anweisung "keine weiteren Pullover" wurde die schwarze, flauschige Innenjacke fälschlicherweise für einen Pulli gehalten und musste in Deutschland bleiben. Naja, man kann eben nicht alles haben und es wird bestimmt nicht soooo kalt bis Mitte Dezember. Hoffentlich.

Da Mira also keine weiteren Anziehsachen mithatte, mussten wir Sonntag nach dem Ausschlafen und angemessenem Sonntagsfrühstück erstmal shoppen gehen. Ziel war die Cambridgeside Galleria, ein ganz normales Einkaufszentrum mit reichlich Läden für Klamotten und Schuhe zum erschwinglichen Preis. Vollgepackt mit tollen Sachen, die das Tragen schwerer machten, wollten wir uns dann noch einen leckeren Burger am Harvard Square gönnen, aber Mr. Bartleys hat ausgerechnet sonntags geschlossen. Und das in Amerika. Tssss. Also blieb es bei einer Pizza bei mir um die Ecke.
Und Montag ging der ganze Spaß weiter, diesmal in Wrentham im Outlet-Center. Paulin holte uns am Bahnhof in Franklin ab und zusammen fuhren wir dann ins Outlet (Franklin, Wrentham und Bellingham sind alle nicht weit voneinander entfernt, jeweils eine Autobahnausfahrt weiter oder so... südwestlich von Boston an der Interstate 495, falls jemand gerade auf der Karte sucht).
Das Outlet-Center ist eine Aneinanderreihung von Klamotten- und Schuhläden, die mit Fabrikverkaufspreisen und deutlichen Preisnachlässen Kunden locken. Dazu gibt es ein Coupon-Heft, mit dem sich in einer Vielzahl von Läden nochmal Prozente sparen lassen - meist natürlich erst ab einer bestimmten Summe, die man dann versucht zu erreichen ;). Ganz schön ist, dass das Ganze nicht in einer überdachten Mall ist, sondern man unter freiem Himmel von Laden zu Laden bummelt bzw. von einem Laden in den nächsten stolpert, denn sie sind ja immer nur wenige Schritte voneinander entfernt. Richtig gut war die Entscheidung, diese Shopping-Tour am Montag zu machen, denn es war deutlich leerer als ich es vom ersten Mal kannte, als ich an einem Samstag im Juni mit Marco, Vinita und David da war. Man kann da zwar auch Unterhaltungselektronik und Küchenutensilien kaufen, aber ein Flachbildfernseher oder ein Steinguttopf sind doch eher schlecht zum Mitnehmen im Fluggepäck. Dafür wurde zugeschlagen bei Chucks (ca halber Preis im Vergleich zu Deutschland), diese insb. im Auftrag, und Levis-Jeans (im Schnitt vielleicht ein Drittel vom deutschen Ladenpreis). Außerdem hat sich Mira bei Columbia noch komplett eingedeckt mit Zip-Hose, Wanderblusen, Regen- und Softshell-Jacke - ready für Südostasien. Ach ja, und Teva Sandalen haben wir auch noch gekauft - nicht ganz hässlich, und praktisch. In einer Parfumerie wurde ich ebenfalls noch fündig: die hatten u.a. das "Swiss Unlimited" von Victorinox im Angebot, das ich bisher noch in keinem Laden gesehen hab, sondern immer online bestellen (lassen) musste. Das alles, und noch viel mehr verstauten wir dann fix und alle im Kofferraum (knapp, aber passte) und gönnten uns bei Paulin und Cody daheim noch eine Pizza, bevor es für Mira und mich wieder zurück nach Boston ging.

Nach soviel Kommerz, dachten wir, muss auch noch etwas Bildung sein. Deswegen stand Mittwoch das Museum of Science auf dem Programm - ach ja, falls sich jemand wundert: ich hatte mir die Woche frei genommen. Leider war das Museum ziemlich enttäuschend und anders als gedacht. Wenn man es als Mitmach-/Anfass-/Ausprobier-/Spielerisch Lernen-Museum für Kinder sieht, ist es sicher sehr gut. Von unserem Wissensstand her war jedoch vieles Trivial und vieles auch nicht wirklich tiefgründig erklärt bzw. nicht so, wie wir es uns gewünscht hätten. Auch die Blitz-Show im "Theater of Electricity" war zwar laut, aber nicht sonderlich spektakulär. Letzendlich war noch am Interessantesten - fast schon wieder am Ausgang - ein großes Perpetuum mobile konstruiert als eine überdimensionierte Murmelbahn, in der Kegel- und Billiardkugeln in Schienen rollten, dabei witzige Effekte in Gang setzten und sich gegenseitig wieder nach oben beförderten. Die knapp 18 € Eintritt war es im Nachhinein nicht wert, zumindest für uns nicht. Mira hatte noch viel weniger gute Worte übrig =D, aber als Erlebnis-Museum für wissbegierige Kinder taugt es sicher prima.

Wieder daheim mussten wir noch fix packen und Verpflegung vorbereiten für unseren Trip nach New York. Am nächsten Morgen sollte der Wecker kurz vor fünf Uhr klingeln. Zeit zum Schlafen gehen.

Bis demnächst =).






Dienstag, 3. September 2013

Stone Zoo


Hallo zusammen.

Da gestern, also Montag, in den USA Feiertag war, ist diese Woche eine kurze Arbeitswoche. Auch mal nicht schlecht. Es war nämlich Labor Day, also Tag der Arbeit. Da den US-Amerikanern aber der 1. Mai als "Tag der Arbeit" vermutlich zu sozialistisch angehaucht ist, haben sie einfach ihr eigenes Datum dafür gemacht. Traditionell gehen mit dem Labor Day die Schulferien zu Ende, die Semester an den Universitäten starten und generell ist der Sommer vorbei. Es gibt eine Zäsur bei vielen Ausflugszielen, was z.B. an gekürzten Öffnungszeiten, reduzierten Fährplänen, eingeschränktem Zugang und niedrigeren Übernachtungskosten zu erkennen ist. Die Nebensaison beginnt.

Samstag bin ich am zeitigen Nachmittag zu Paulin und Cody nach Bellingham gefahren. Das liegt eine Zugstunde südwestlich von Boston. Die Zeit ist sicher nicht ganz repräsentativ, denn irgendwie sind die S-Bahnen mega langsam. Mit dem Rad bin ich zunächst zur nächstgelegenen S-Bahn-Haltestelle gefahren um mal wieder festzustellen, dass es an Bahnhöfen scheinbar aus Prinzip keine Fahrradständer gibt. Paulin und Cody wohnen in einem Wohnkomplex, der bei uns als eine Art Ferienkomplex durchgehen könnte, in den Staaten aber durchaus üblich ist. 4 oder 5 große, gleichartige Gebäude, eine zentrale "Rezeption" mit Fitnessraum, Mini-Kinosaal mit Beamer, ein Schwimmbecken inkl. Whirpool draußen, Zaun drum herum, Chip-Karte zum öffnen von Toren und Türen. Auch die Treppenhäuser hatten etwas von Hotel, lange Gänge mit Teppich, lings und rechts Türen mit Nummern. Die Wohnung an sich war aber eigentlich recht hübsch.
Abends haben wir gegrillt und danach American Football im Mini-Kino geguckt. Gerade ging nämlich die Saison der College(Univeristäts)Teams los und es spielte das "Heim"-Team von Cody, der aus Luisiana kommt. Hab ich das also auch mal gesehen und es wird definitv nicht mein Lieblingssport. Die Regeln hab ich so grundlegend verstanden und man kann es sich auch eigentlich angucken, ABER: wie man aus 4x 15 Minuten Spielzeit knapp 4 Stunden live-Übertragung machen kann, verstehe ich nicht. Wie auch beim Basketball (4x 12min) und beim Eishockey (3x 20min) gibt es ständig Unterbrechungen, bei denen immer die Zeit gestoppt wird. Nun gut, dadurch verlängert sich die Bruttospielzeit. Das eigentliche Problem sind aber die vielen Werbeunterbrechungen. Eigentlich wird jede Spielunterbrechung für Werbung genutzt. Wenn man das auf den Fußball übertragen würde, gebe es vor jedem Freistoß oder vor jeder Ecke erst einmal 5 Minuten Werbung. Deswegen mögen die Amerikaner (bzw. die amerikanischen Unternehmen) Fußball auch nicht so gern - es ist für Werbung einfach zu uninteressant, weil es kaum Möglichkeiten gibt, Werbung an den Kunden zu bringen und damit letztendlich Einnahmen zu erzielen. Andererseits scheffeln natürlich die Basketball- und Eishockeyvereine in den Staaten durch die viele Werbung deutlich mehr Geld als das in den deutschen Ligen der Fall ist, mit dem Ergebnis, dass in ihrer Sportart die NBA (Basketball) und NHL (Eishockey) als die besten Ligen der Welt gelten.

Sonntag viel so ziemlich ins Wasser. Als ich Mittags wieder in Boston ankam, goss es in Strömen und hörte auch nicht wieder auf. Auch der Montagmorgen startete nass. Nach spätem Frühstück nutzte ich einen trockenen Moment um mich auf´s Fahrrad zu schwingen. Es ging in den Stone Zoo, nördlich von Boston. Da Brookline so ziemlich im Südwesten von Boston liegt, und Stoneham im Norden, war es ein ganzes Stück zu fahren. Für die 20 km brauchte ich fast 1:20 h. Alle Ampeln auf Rot, viel Verkehr, und Straßen von der Qualität Lausner Weg+Hartmeyerstraße+Schönblick. Miserabel.
Die Hauptverkehrsstraßen mögen einigermaßes gehen, aber mein Handynavi schickte mich auf der Fahrradroute natürlich (und gottseidank) nicht über Highways und sechsspurige Ausfallstraßen. Und in den Vororten und Nebenstraßen besteht vermutlich ein noch deutlich höherer Sanierungsbedarf als in den deutschen Kommunen.
Dank wiedereinsetzendem Regen und tropischer Luftfeuchtigkeit kam ich auch gut nass am Zoo an.
Knapp 11 Euro Eintritt sind für den doch recht kleinen Tierpark sicherlich kein Schnäppchen, aber was sollte es. Da ich im Internet recherchiert hatte, wurde ich wenigstens nicht böse überrascht. Und außerdem hatten sie Koalas! Deswegen war ich eigentlich da.
Der Stone Zoo ist, wie der Name vielleicht schon erkennen lässt, eher auf Tiere der nördlichen oder kühleren Breiten spezialisiert: Wölfe und Luchse, Eulen, Schneeleopard, Bergziegen, ein Yak, Stachelschweine, Puma, Adler usw. Aber es gab auch ein paar Affen, Schlangen / Eidechsen, einen Jaguar und eben - als Sommerhighlight -  die australische Abteilung mit Wellensittichen und Koalas als Leihgabe. Leider wurde die Aussicht auf die Hauptattraktion getrübt durch massiv beschlagene Scheiben, wobei alles Wischen mit der Hand nix half. Vielleicht lag es auch am tropischen Wetter draußen, die Luftfeuchtigkeit machte es sicher nicht besser. Natürlich erwartet man von Koalas kein wildes Herumtollen und Schwünge von Baum zu Baum wie es Gibbons tun, aber ihnen einfach beim Schlafen oder Eukalyptus kauen zugucken zu können, wäre ja schon schön gewesen. Vom Knuddelfaktor her kommen sie nämlich gleich nach Pandas! Unter den gegebenen Umständen war das Koala-Beobachten aber zu anstrengend und unerfreulich... dafür schlief der Jaguar gleich an der Besucherscheibe und der Puma kam auch ganz nah. Nach zweieinhalb Stunden war ich dann durch, ohne gehetzt zu haben, und mit dem Rad ging es wieder eine reichliche Stunde zurück. Zum Glück hatten sich die Regenwolken verzogen, dafür war es jetzt warm und schwül... auch nicht unbedingt perfekt zum schnellen Rad fahren ;-) - aber ein guter Grund für einen Stopp an einer wirklich guten Eisdiele!!! =)   ("Toscanini", Mass. Ave, Cambrigde... falls mal jemand dort vorbeikommen sollte).